improgramm: Was ist Unternehmenstheater?

Wir bewegen Menschen

Auf der Suche nach neuen Impulsen für Unternehmensveranstaltungen wird seit einigen Jahren auch das Theater wieder neu entdeckt. Oft wird etwas gesucht, das »einfach etwas anderes als der Hochseilgarten« ist. Unternehmenstheater bietet eine ganz eigene Herangehensweise an Unternehmensprozesse und an den Mitarbeiter – und fördert Erkenntnisgewinne auf ganzheitlicher Grundlage. Theater kann emotional bewegen, schwierige Themen ansprechen und Diskussionsprozesse in Gang bringen. Wer genau das in seiner Organisation braucht, ist mit Theater in Unternehmen vielleicht sehr gut beraten.

Was macht das Theater attraktiv für eine Unternehmensveranstaltung?

Zu bieten hat das Unternehmenstheater dabei einiges: Die Mitarbeiter werden als Menschen wahrgenommen und angesprochen. Umstrukturierungen, Erstellung neuer Leitlinien, Führungskräfteförderung, wo immer Menschen sich wandelnden Bedingungen anpassen müssen, werden starke Emotionen entstehen. Sind sie dem Prozess förderlich, können sie verstärkt und unterstützt werden. Aber auch Ängste, Vorbehalte, Widerstände gehören selbstverständlich zum Wandel dazu. Dass Angst uns zwar blockiert, uns aber auch vor Fehlern und vor dem Scheitern bewahren kann, ist eine wichtige menschliche Erfahrung. Beim Unternehmenstheater bekommt sie ihren Platz auf der Bühne. Wird sie losgelöst vom Mitarbeiter dargestellt, verliert sie für den Einzelnen schnell an Bedrohlichkeit. Gleichzeitig wird sie zum salonfähigen Thema gemacht. Der Mitarbeiter redet nicht über sich, sondern über das Stück. Wie selbstverständlich fließen dann in Gesprächen Beispiele aus dem eigenen Alltag mit ein, so dass Ängste verarbeitet und abgebaut werden können.

Was ist denn genau Unternehmenstheater?

Unternehmenstheater verstehen wir als  Theater in Organisationen, vom Stück über ein Training, bis hin zum Coaching. Wo immer sich Theater und Unternehmen treffen, sprechen wir von Unternehmenstheater.

Was ist der Unterschied zwischen "Unternehmenstheater" und "Businesstheater"?
Im Grunde gibt es keinen. Beim Begriff "Businesstheather" gab es vor einigen Jahren die Idee, ihn rechtlich schützen zu lassen, daher wurde er nur spärlich verwendet, damit die Verwender nicht unabsehbare rechtliche Folgen tragen müssten. Das hat sich mittlerweile erledigt. Daher werden "Businesstheater" und "Unternehmenstheater" als Begriffe heute je nach individuellem Geschmack verwendet. Wir haben uns auf das deutsche "Unternehmenstheater" geeinigt, weil wir nicht nur in "Business"-Zusammenhängen arbeiten. Wären wir sehr korrekt, würden wir wohl von "Organisationstheater" sprechen. Dieser Begriff würde schwer zu etablieren sein, also haben wir uns für "Unternehmenstheater" entschieden.

Wer nach dem richtigen Impuls für eine Großveranstaltung sucht, wird förmlich erschlagen: Es gibt nahezu alles – vom festen Stück, das der Situation der Firma ein wenig angepasst wird, über eigens geschriebene Stücke bis hin zur Integration des Publikums vor Ort, dem sogenannten Improvisationstheater. Die Entscheidung für eine bestimmte Form des Unternehmenstheaters/Businesstheaters wird dabei in der Regel abhängig von Anlass, Thema, Unternehmenskultur und Budget getroffen. Ein eigens geschriebenes Stück suggeriert eine gewisse Sicherheit, was das Ergebnis der Veranstaltung angeht. Werden Szenen direkt vor Ort unter Einbeziehung von Vorschlägen der Mitarbeiter entwickelt, fördert und fordert dies auch auf anderen Gebieten die Bereitschaft zur Initiative und Offenheit. Theater muss daher nicht nur »etwas zum Anschauen« sein.

Für viele Mitarbeiter ist es eine völlig neue Erfahrung, selbst einmal Theater zu spielen

Ein Theaterworkshop kann für Mitarbeiter eine sinnvolle Trainingsmaßnahme sein. Dabei werden Prozesse und Erkenntnisse in der Regel gemeinsam mit dem Trainer reflektiert und für den Arbeitsalltag nutzbar gemacht. Klassische Themenfelder in solchen Workshops sind Kommunikation, Rhetorik, Kreativität und Teambildung. Ein spannender Punkt ist bei Theaterworkshops oft der Vergleich von Innen- und Außenwahrnehmung. »Angst ist ein schlechter Ratgeber« heißt es so schön. Viele Teilnehmer sind erstaunt, dass sie selbst mit großem Lampenfieber noch eine souveräne Außenwirkung haben.

Nebenbei nutzen viele Teilnehmer das Theater, um ihren Arbeitsalltag konstruktiv zu hinterfragen und neue Ideen mit zurück ins Unternehmen zu bringen. Die Erfahrung, sich selbst überwunden und dabei positive Rückmeldungen bekommen zu haben, stärkt den Teilnehmern den Rücken und lässt sie mutiger an auftretende Probleme herangehen.

Und wie sieht das praktisch aus?

Ein Unternehmen hat neue Leitlinien entwickelt. In der Vorbesprechung haben sich als zentrale Themen unter anderem »abteilungsübergreifendes Denken« und »Mut zur Initiative« herauskristallisiert. Zu Beginn der Veranstaltung kommen drei Spieler auf die Bühne. Es entwickelt sich ein Gespräch, in dessen Verlauf sich herausstellt, dass A die Bühne nicht korrekt eingerichtet hat, B die Texte nicht herumgeschickt hat. Jeder dachte, der andere würde sich wohl kümmern. Nach einigen Minuten hat C eine Idee: Man könne ja Improvisationstheater machen, das könne man ja schließlich auch, und das Publikum werde es schon akzeptieren, man sei ja gut. A und B erklären C für völlig durchgedreht und verlassen die Bühne. C geht hinterher. Danach beginnt die Veranstaltung mit Vorstellung und Diskussion der Leitlinien. Später am Tag tauchen die drei Schauspieler wieder auf und spielen doch. Das Publikum findet sie gut.

Warum und wann soll es denn nun Theater sein?

Muss es ja nicht. Aber kann. Und ist sinnvoll eingesetzt, wenn sich Menschen in einem Unternehmen authentisch mit einem wichtigen Thema auseinandersetzen müssen, das sie persönlich betrifft. Auf jeden Fall fordert es dazu auf, sich eine Meinung zu bilden und Position zu beziehen. Die mit einem Unternehmenswandel einhergehenden Irritationen und Vorbehalte können schneller überwunden und produktive Prozesse unterstützt werden, bei denen der Mitarbeiter als Mensch im Mittelpunkt steht.

Aus: »Alles nur Theater?«, Dörthe Engelhardt, Konzepte Kundenmagazin